Geistliches Wort:„Also bist du doch ein König?“

Am kommenden Sonntag, der Letzte des Kirchenjahres, feiern wir das Hochfest Christkönig. Lesen Sie den Gruß zu Christkönig von Kpl. Noel Akplogan.
Christkönig
Christkönig
Datum:
17. Nov. 2021
Von:
Petra Klischan

Liebe Schwestern und Brüder,
an diesem letzten Sonntag des Kirchenjahres feiern wir das Hochfest Christkönig. Und im Evangelium hören wir Pilatus Jesus fragen: „Bist du der König der Juden?“ Jesus antwortet mit einer Gegenfrage: „Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt?“ Das ist vielleicht eine entscheidende Frage, die Jesus auch jeder und jedem von uns heute stellen würde. Es wird überliefert: Jesus ist der König - nicht nur der Juden -, sondern der ganzen Welt. Aber wenn ich es nur nachspreche, weil es so überliefert wurde, dann ist das zu wenig. Jesus erwartet mehr. Er erhofft, dass ich die Überlieferung nicht nur empfange, sondern dass ich sie zu Eigen mache, dass ich mich seiner Königsherrschaft unterstelle. 
Aber wie könnte das gehen, wenn Jesus im Laufe des Gespräches sagt: „Ich bin ein König, (doch) mein Königtum ist nicht von dieser Welt“. Nicht nur für Pilatus klingen diese Worte Jesu wie Fremdwörter. Ist ein König nicht jemand, der Macht hat? Jesus aber hat offenbar keine Macht, allenfalls nicht im weltlichen Sinne. Deshalb fügt er hinzu: „Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.“ Vielmehr als ein König der Macht versteht sich Jesus als der König der Wahrheit: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“ Seine ganze Existenz versteht er als ein einziges Wahrheitsgeschehen, d.h. durch ihn – durch das, was er sagt, was er tut, wie er ist – wird etwas bewahrheitet, nämlich dass Gott Heil und Lebensmöglichkeiten für alle will. Niemand darf unterdrückt oder kleingemacht werden. Die Geschichten von den Heilungen, von den Dämonenaustreibungen und allem voran die von den Begegnungen mit den Sündern – mit Zachäus, der Ehebrecherin, der Frau am Brunnen von Samaria etwa – setzen in lebendige Bilder und Szenen um, was Gott für uns Menschen sein will: Quelle, aus der man leben kann; Neuanfang, wenn sich einer verrannt und verfangen hat in den Fallstricken der Illusionen, die er sich über sich selbst und das Leben gemacht hat. Das ist die Wahrheit, für die Jesus sein Leben einsetzt und sogar in den Tod geht.
Und er betont: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ Darauf kommt es also an, nämlich seine Stimme zu hören, ihm zu folgen. Als Getaufte, als Menschen, die an der königlichen Würde Jesu teilhaben, sind wir deshalb aufgerufen, auch unsere Stimme zu erheben gegen alle Falschheiten und Machtmissbrauch – beginnend in der Kirche. Und ich denke, es ist wichtig, uns anlässlich des Christkönigsfestes jedes Jahr wieder darauf zu besinnen, dass es unsere Aufgabe ist, für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Dabei aber dürfen keine Mittel staatlicher oder auch psychologischer Gewalt angewendet werden. Wir haben „nur“ die Kraft der Überzeugung, des gelebten Beispiels und des Dialogs – und das ist mehr als genug.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Fest Christkönig.
Ihr Kaplan Noel Akplogan