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Geistliches Wort:Kirchenträume

Am 3. Oktober 1226 starb der Hl. Franziskus. Er prägte durch seine Spiritualität mit den franziskanischen Gemeinschaften die Kirche. Es ist eine 800 Jahre alte Geschichte von einem der anfing, die Kirche aus dem Geist Jesu zu erneuern.
Mönch
Datum:
21. Okt. 2026
Von:
Pfrv. Ulrich Herz/pk

Franziskanisches findet sich heute in der Pastoral der Kirche Lateinamerikas mit ihrer „Option für die Armen“ und bei der Seelsorge in islamisch geprägten Ländern, vor allem im Heiligen Land. Selbst ein Papst benannte sich nach ihm und träumte von einer armen Kirche für die Armen. Engagement für Randgruppen der Gesellschaft sowie die Sorge um Frieden und Bewahrung der Schöpfung waren in den 70iger und 80iger Jahren herausragende Themen in der Gemeindearbeit. Im Sog der kirchlichen Strukturdebatten erscheinen sie heute eher als Randthemen.

Franziskus verändert die Kirche seiner Zeit in ihrem innersten Denken und Handeln. In San Damiano hört er Jesus vom Kreuz her sprechen: „Baue mein Haus wieder auf. Siehst du nicht, wie es zerfällt.” Dieses Wort trifft und wirkt. Er fängt an, sein Leben zu ändern. Dieses Wort schreibt Kirchengeschichte. Franziskus litt unter den Widersprüchen in der Kirche. Das Evangelium steht für ihn oft im Gegensatz zur zersetzenden Kraft der Politik. Aber auch unter dem Kampf innerhalb der Kirche: die Kirche, die Friede, Freude und die Liebe verkündet und die zugleich gegen die Moslems in den Kreuzzügen kämpft. Es sind eben die Widersprüche unter denen auch heute viele Katholiken in ihrer Kirche leiden. Das Kirchenbild des heiligen Franziskus war zwar ein Traum, eine Utopie, aber er hat dieses Ziel angestrebt: eine Kirche der Armen, eine Kirche, die eine Würde trägt, die Christus getragen hat und die seine Freiheit lebt. 1973 erklären die Franziskaner in ihrem Generalkapitel: „Wir wissen, dass das Antlitz der Kirche, das ja wir Christen selber gestalten, manchmal entstellt erscheint. Aber wir wollen diese Kirche lieben und in ihrer Gemeinschaft bleiben. Wir wollen, wie Franziskus in der Kirche Menschen des Friedens und der Versöhnung sein.”

Der kath. Theologe und Psychologe Wunibald Müller (Jahrgang 1950), der seine Erfahrungen mit der Kirche analysiert: „An der Kirche ärgert mich inzwischen nichts mehr, weil sie mir als Organisation immer weniger bedeutet. Ich wünsche mir, dass die Kirche überlebt und die Chance wahrnimmt sich von Grund aus zu erneuern. Die in ihr ausharren sind oft verzweifelt, geben aber trotzdem nicht auf. Ich wünsche mir, dass ich die Kraft habe trotzdem in der Kirche zu bleiben und ich erwarte von mir, mich vor Ort in ihr zu engagieren und zu verändern.“

Franziskus hat begonnen seinen Traum vom Reich Gottes zu leben in der Gemeinschaft der konkreten Kirche, nicht außerhalb oder gegen sie. Eine solche franziskanische Spiritualität wünsche ich mir auch für hier und heute. Immer wieder Anfangen das Evangelium zu hören und den Traum vom Reich Gottes zu leben. In allen Konflikten können wir mit Franziskus zu beten: “Herr, schenke mir zwei Gnaden: dass ich so leiden kann wie du und so lieben kann wie du.”

Ihr Pfarrvikar Ulrich Herz